Human Centered Design | Was ist das eigentlich?

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HCD = Human Centered Design
Bild: © S. Hofschlaeger, pixelio.de

Human Centered Design bedeutet – wie sich bei direkter Übersetzung bereits zeigt – einen Ansatz menschzentrierte Gestaltens. Der Mensch mit all seinen Wünschen und Bedürfnissen steht demnach im Mittelpunkt des Gestaltungsprozesses, schließlich ist er der spätere Nutzer dessen, was gestaltet werden soll. Das Ergebnis des Designprozesses kann hier ein Gebäude, ein Produkt, oder auch eine Dienstleistung sein.

Es geht also nicht notwendigerweise um ein greifbares Ergebnis, sondern – und das ist der entscheidende Punkt – um eine Interaktion.

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Im Fokus: der Mensch mit seinen Bedürfnissen und Wünschen.
Bild: © Katharina Bregulla, pixelio.de

Partizipative Planung

Um ein auf den Nutzer optimal angepasstes und ihm entsprechendes Resultat zu bekommen muss er, als Nutzer, von Anfang an systematisch mit in den Planungsprozess einbezogen werden.
Auskunft über die späteren Anforderungen können wir erhalten, indem wir uns sozialwissenschaftlicher Forschungsmethoden bedienen.
Bevor es also in die Entwurfsphase gehen kann, werden die Bedürfnisse und Wüsche der Nutzer in Erfahrung gebracht. Wichtig ist hier, dass bei der eben genannten systematischen Einbeziehung des Menschen in den Planungs-prozess, nicht nach dem Erhebungsstadium Halt gemacht wird. Frei nach dem Motto: „Jetzt wissen wir ja, was die Nutzer brauchen und können es mit einfließen lassen.“ Nein, so ist das nicht zu verstehen. Human Centered Design geht viel weiter. Immer wieder werden die Menschen in die Planung integriert. Überlegungen und Entwürfe werden vor ihrer Umsetzung mit den Nutzer-bedürfnissen abgeglichen. Bevor etwas entschieden wird, wird es zur Diskussion gestellt. Kann es sich hier nicht behaupten, so würde es später erst recht nicht funktionieren. Ob ein Entwurf also angenommen wird, lässt sich durch diese Methode prognostizieren. Inwieweit die Nutzer dem Ergebnis später positiv gegenüber stehen werden, ist also nicht dem Zufall oder dem Wunschdenken überlassen. Es gibt somit gute Chancen folgende Enttäuschung und Frustration bei den künftig Betroffenen zu vermeiden.

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Ein enttäuschter Nutzer? Nicht bei Anwendung des Human Centered Design!
Bild: © Katharina Bregulla, pixelio.de

Dialog bietet Chancen

Gerade für uns Gestalter ist es sicherlich nicht immer einfach, die Erfahrung zu machen, dass eine „tolle“ Idee, bzw. eine, die wir für „toll“ halten, bei der Jury der später davon Betroffenen keine Beifallsstürme auslöst. Die Verlockung, sich nach einer ersten Nutzerbedürfnisanalyse voll und ganz dem kreativen Werk vom Entwurf bis zur Fertigstellung hinzugeben, kann eine große sein. Doch die Enttäuschung mag folgen. Auch wenn Gegenwind unangenehm sein kann, so kann ein offenes Ohr für die artikulierten Schwachstellen den Entwurf bereichern. Und auf einmal sitzt man wieder an dem Schreibtisch vor dem Konzept, das man bereits für tragfähig hielt und muss es noch einmal ganz neu überdenken. Der Gewinn ist an dieser Stelle ganz klar: nichts wird produziert, initiiert oder gar gebaut, was nachher zum Scheitern verurteilt ist, obwohl es zu verhindern gewesen wäre. Sicher, eine absolute Garantie gibt es nie. Aber warum nicht den Versuch wagen und dieses riesige Potential nutzen, das uns der Dialog bietet?

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Der Nutzer steht mit seiner „Welt“ im Mittelpunkt – auch wenn diese mal Kopf steht!
Bild: © Katharina Bregulla, pixelio.de

Human Centered Design ist ein iterativer Prozess

Der Blick ist nicht nur stetig vorwärts gerichtet. Ein besonderes Kennzeichen ist auch die Reflexion. Die Nutzer wurden befragt, die Ergebnisse ausgewertet und eine Entscheidung getroffen. Doch erfüllt die Umsetzung das, was man erwartete. Feedback ist hier das zentrale Stichwort. Das Resultat wird also zur Diskussion gestellt. Dieser Rückblick dient dazu, sicher zu stellen, dass das Ergebnis auch dem entspricht, was beabsichtigt war. Sind die Nutzer wirklich zufrieden? Gibt es Schwachstellen? Funktioniert alles so wie gedacht? Wenn nicht, dann gibt es klare Aussagen und Punkte an denen konkret angesetzt werden kann, um für Verbesserung zu sorgen. Und wie es bei iterativen Prozessen so ist: nach der Implementierung folgt eine erneute Feedbackrunde. Unstimmigkeiten werden peu à peu beseitigt – auf dem Weg zu einem gelungenen Ergebnis. Was gäbe es für einen Gestalter für ein höheres Lob, als die Zufriedenheit der Nutzer? Ästhetik allein hat schließlich eine extrem kurze Halbwertszeit.

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Ein kleiner „Freudentanz“ eines zufriedenen Nutzers…
Bild: © Katharina Bregulla, pixelio.de

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Eine Antwort zu “Human Centered Design | Was ist das eigentlich?

  1. Pingback: Design und Wissenschaft – passt das zusammen? | archicouture LAB | Designjournalismus, Design Research, Human Centered Design·

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